Hausaufgaben als Problem – Ratschlag zur Soforthilfe

Hausaufgaben Problem | Familiealltag | Schule

Wenn Hausaufgaben zum Problem werden, dann belastet dies den Familienalltag sowie die Beziehung zwischen Eltern und Kind meist sehr. Oft sitzt man stundenlang an den Aufgaben. Voran geht aber nicht wirklich viel. Eigentlich hattest du für heute Nachmittag etwas anderes geplant. Doch daran ist in Anbetracht der vorangeschrittenen Zeit nicht mehr zu denken. Stattdessen macht sich Verzweiflung auf beiden Seiten breit. Dein Kind hat bereits blockiert. Du bist nur noch genervt von der Situation. Immer wieder wird es laut zwischen euch und dass, obwohl du schon so viel ausprobiert hast.

Du hast geholfen: „Komm wir schauen uns die Aufgaben gemeinsam an.“ Bist dann jedoch verzweifelt, weil dein Kind völlig auf stur geschalten hat. Voran ging nichts.

Hast bestochen: „Wenn du mit deinen Hausaufgaben fertig bist, darfst du auf dem Tablet spielen.“ Dein Kind war zwar erst begeistert, umsetzen konnte es das Ganze dann aber doch nicht.

Vielleicht hast du gedroht: „Du bleibst hier so lange sitzen, bis die Aufgaben erledigt sind.“ Hat nichts gebracht außer Tränen und Wut.

Bist aus dem Raum gegangen. Als du wieder kamst, war kaum mehr erledigt als zu der Zeit als du den Raum verlassen hast.

Kurzum, die Hausaufgaben wurden heute zu einem richtigen Problem für euch beide. Das kommt dir bekannt vor?

Das Hausaufgabenproblem angehen – Ratschläge für dich und dein Kind

Auch wenn die Hausaufgaben in einigen Familien ein enormer Stressfaktor sind, würden laut einer Studie der Lernplattform scoyo 75% der Eltern die Hausaufgaben nicht abschaffen wollen

. Was aber machen, wenn sie zum Problem und eine Belastung für den Familienalltag werden?

Stressfaktor Hausaufgaben
https://www.scoyo.de/magazin/schule/studie-hausaufgaben-stress/

Zunächst einmal ist es wichtig Ruhe zu bewahren, auch wenn das leichter gesagt ist als getan. Doch denke bitte daran: Du bist nicht allein mit dieser Situation. Wie euch geht es Nachmittag für Nachmittag vielen Familien. Wichtig für dich ist es – bevor es eskaliert – den Raum kurz zu verlassen. Sage deinem Kind, dass du gleich wieder kommst, damit es sich nicht wundert. Entspanne dich kurz so gut es geht. Atme tief durch, trinke einen Kaffee oder Tee, schnappe frische Luft, schrei in ein Kissen… mach einfach das, was dir in diesem Moment guttut.

Dann gehe zurück in den Raum und beende die Hausaufgabenzeit für heute. Nach mehreren Stunden, einem Kind, das bereits blockiert und einer emotional angespannten Situation auf beiden Seiten, macht es an diesem Tag keinen Sinn mehr.

Anschließend macht ihr entweder etwas gemeinsam was euch ablenkt von den Hausaufgaben und die Situation wieder entschärft. Oder dein Kind und du macht etwas getrennt voreinander. Wichtig: Es soll euch beide wieder auf andere Gedanken bringen. Du bist der Experte/die Expertin für dein Kind und kannst am besten einschätzen, was in diesem Moment hilft.

Hat sich die Situation wieder beruhigt und ihr beide seid wieder locker und entspannt, dann suche das Gespräch mit deinem Kind. Gerne kannst du hierzu auch einen Gesprächstermin mit deinem Kind vereinbaren, bspw. für den nächsten Tag. Vorteil: Ihr könnt euch beide auf das Gespräch vorbereiten. Auch hier gilt es für dich die Situation einzuschätzen und den richtigen Moment für das Gespräch mit deinem Kind festzulegen.

Denke daran im Gespräch Ich-Botschaften zu senden, wie du die Hausaufgabenzeit erlebst. Mache deinem Kind keine Vorwürfe. Dies könnte dazu führen, dass dein Kind wieder blockiert und das Gespräch zu nichts führt. Denn glaube mir, auch wenn dein Kind in dem Moment blockiert, so geht es ihm/ihr alles andere als gut damit. Es ist genauso verzweifelt wie du, nur äußert es sich evtl. anders.

Höre deinem Kind aktiv zu. Nicke, frage nach und schalte für das Gespräch das Smartphone aus. Auch Geschwister sollten zu dieser Zeit das Gespräch nicht stören. Dein Kind muss sich von dir und in seinem Problem ernstgenommen fühlen.

Ursachen für das Hausaufgabenproblem

Jedes Kind ist anders und für jedes Kind hat das Hausaufgabenproblem deshalb andere Ursachen. Im Folgenden möchte ich dir ein paar Möglichkeiten aufzeigen, welche das Problem mit den Hausaufgaben verursachen könnten. Ebenfalls bekommst du kurze Ratschläge, wie das Problem angegangen werden kann.

1) Passen die Rahmenbedingungen?

Stelle dir folgende Fragen:

Wann macht dein Kind seine/ihre Hausaufgaben? Habt ihr hier eine klare Struktur oder wechselt die Zeit fast täglich? Kinder brauchen Strukturen, damit es ihnen leichter fällt ihren Rhythmus zu finden. Also probiert gemeinsam aus, wann es für dein Kind am besten klappt die Hausaufgaben zu machen. Direkt nach der Schule? Nach dem Mittagessen? Nach einer Spielphase?

Wo macht dein Kind seine/ihre Hausaufgaben? Immer am gleichen Platz? Habt ihr den Platz schon gefunden, an dem es am konzentriertesten arbeiten kann? Bist du in der Nähe oder sitzt daneben? Ist es am Arbeitsplatz deines Kindes laut? Fernseher, Musik, Straßenlärm, Haustiere die stören, Geschwister die lauter sind? Meine Tochter macht ihre Hausaufgaben am liebsten auf dem Boden sitzend am Wohnzimmertisch. Übrigens spielt sie am liebsten auch sitzend in ihrem Zimmer auf dem Boden. Ich bin in der Nähe – also ansprechbar für sie – beschäftige mich in dieser Zeit aber selbst mit etwas. So entsteht auf beiden Seiten eine Arbeitsstimmung – ähnlich wie im Klassenzimmer.

Wie sieht der Arbeitsplatz deines Kindes aus? Ist hier viel, was dein Kind ablenken könnte? Ist der Platz gut ausgeleuchtet? Am besten mit Tageslicht? Sind die Arbeitsmaterialien vorbereitet oder muss dein Kind alles zusammensuchen? Letzteres kann viel Zeit kosten und dein Kind ebenfalls ablenken. Sorge also gemeinsam mit deinem Kind für einen vorbereiteten Arbeitsplatz.

2) Gibt es Schwierigkeiten in der Schule?

Hat dein Kind eventuell Schwierigkeiten mit Lehrern*innen? Mit seinen Mitschüler*innen? Fühlt es sich vielleicht nicht wohl in der Klasse momentan? All das kann dein Kind beim Bearbeiten der Aufgaben behindern.

Sollte das Thema in eurem Gespräch sein, so zeige deinem Kind, dass du für ihn/sie da bist. Biete ihm/ihr Unterstützung an. Gib deinem Kind Ratschläge was es machen kann, wie es sich verhalten kann. Führe evtl. ein Gespräch mit der Schule. Aber am wichtigsten: Höre zu und nimm dein Kind mit seinen Sorgen ernst – auch wenn das geschilderte Problem für dich zunächst vielleicht nur wie ein Problemchen klingt. Jeder empfindet anders.

3) Mangelndes Selbstbewusstsein

Vielleicht hat dein Kind in der Schule bereits den ein oder anderen Misserfolg erlebt. Misserfolge können, bei mangelndem Selbstbewusstsein ebenfalls dazu führen, dass Hausaufgaben zum Problem werden. Stärke dein Kind in seinem Selbstbewusstsein. Zeige ihm/ihr, dass Fehler und Misserfolge zum Leben dazu gehören. Vielleicht schilderst du deine eigenen Misserfolge und wie du damit umgegangen bist. Kinder lieben Geschichten aus unserem früheren oder auch heutigen Leben. Gib ihm/ihr Wege an die Hand mit Misserfolgen umzugehen. Von welchem Misserfolg hat dein Kind sich in seinem bisherigen Leben bspw. nicht unterkriegen lassen? Schöpfe aus den Ressourcen deines Kindes. Welche Stärken hat es und was hat es alles schon Großartiges geleistet? Worauf bist du stolz?

4) Verständnisschwierigkeiten der Unterrichtsinhalte

Eventuell hat dein Kind Schwierigkeiten den Unterrichtsinhalten zu folgen oder hat in der Schule etwas nicht verstanden. Sollte dies öfters bspw. immer in Deutsch der Fall sein, suche das Gespräch mit dem Deutschlehrer/der Deutschlehrerin. Dann könnte vielleicht auch eine Lese-Rechtschreibschwäche vorliegen. Vielleicht benötigt dein Kind aber auch einfach Nachhilfe in einem Fach, um Lernlücken aufzuholen und um sich dann sicher zu fühlen. Sollte nichts helfen, gibt es die Möglichkeit einen Beratungslehrer*in zu beauftragen. Frage danach in der Schule.

5) Konzentrationsschwierigkeiten

Kannst du Konzentrationsschwierigkeiten bei deinem Kind feststellen, so überprüfe als allererstes den Medienkonsum deines Kindes. Hinterfrage ihn ernsthaft und sei gnadenlos ehrlich zu dir und deinem Kind. Ein zu viel an modernen Medien, kann zu Konzentrationsschwierigkeiten führen. Abhilfe können auch Konzentrationsspiele schaffen. Sollte nichts helfen, sprich mit den Lehrkräften deines Kindes und suche eventuell auch einen Kinderarzt auf. Auch hier gibt es die Möglichkeit einen Beratungslehrer*in hinzuzuziehen.

Hausaufgaben | Problem | Schule

Auch wenn ihr nicht direkt die Ursache für das Hausaufgabenproblem findet, bleibt am Ball. Es lohnt sich auf jeden Fall. Suche ebenfalls das Gespräch mit der Schule. Dort kennt man dein Kind und kann die Situation aus schulischer Sicht ebenfalls einschätzen und eine Rückmeldung geben. Und wichtig: Erwarte nicht zu viel von dir und deinem Kind. Veränderungen benötigen Zeit. Das AUfbrechen einer Routine findet nicht von heute auf morgen statt. Auch eine lange Reise beginnt mit einem ersten Schritt in die richtige Richtung.

Ich hoffe sehr, dass dir meine Ratschläge helfen und sich die Situation rund um die Hausaufgaben bei dir und deinem Kind bald entspannen. Du hast Fragen, Anregungen oder Wünsche? Dann schreibe mir doch eine E-Mail.

Deine Kathrin

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