Lernapps – Das „Wundermittel“ für das Lernen zu Hause?

Lernapps|Lernen

Spätestens seit den Schulschließungen und dem teilweisen Verzicht auf Präsenzunterricht während der Coronapandemie sind Lernapps nicht mehr aus dem Lernalltag vieler Schüler*innen wegzudenken. Zahlreiche Schulen haben auf die unterschiedlichsten Lernapps zurückgegriffen und so den Schülern*innen einen zusätzlichen Zugang zum Lernen geschaffen, der so in den meisten Fällen vorher nicht stattgefunden hat.

Aber halten die Lernapps wirklich das was sie versprechen? Sind sie das neue Wundermittel beim Lernen?

Fakt ist: Wie alle Lernmethoden, so bringen auch die Lernapps Vor- und Nachteile mit sich. Diese schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an, damit du weißt, welche Möglichkeiten aber auch Grenzen sie deinem Kind beim Lernen zu Hause bringen können.

Vorteile Lernapps

Mit Lernapps von überall lernen

Weiß man, dass das eigene Kind in manchen Bereichen Lernlücken hat und möchte man diese bspw. auch in den Ferien schließen, so ist eine Lernapp eine gute Möglichkeit. Tablet sowie Smartphone sind im Urlaub oder unterwegs meistens, wenn nicht sogar immer, dabei. Sie passen in kleine Taschen und nehmen kaum Platz weg. Wohingegen Bücher, Hefte und Stifte deutlich mehr Platz in Anspruch nehmen und nicht so schnell griffbereit sind.

Lernapps|Lernen

Erwerb von Medienkompetenz

Als ich auf der letzten Elternbeiratssitzung nach den Erfahrungen mit dem digitalen Lernen gefragt habe, war eine der ersten Antworten: „Also mein Sohn hat Medienkompetenz in dieser Zeit erworben.“ Man war sich schnell darüber einig, dass diese Kompetenz wohl die Zukunft sein wird. Und auch der Bildungsplan, bspw. in Baden-Württemberg, gibt bereits für die Grundschulen einen Erwerb an Medienkompetenz vor. Wenn ich sehe, wie schnell meine Tochter mittlerweile mit dem Tablet arbeitet, bin ich immer wieder überrascht. Unsere Kinder wachsen ganz anders mit modernen Medien auf. Sie nutzen diese nicht nur in ihrer Freizeit, sondern bedingt durch die Monate der Pandemie auch vermehrt für das Lernen.

Lerninhalte werden kompakt angeboten

Einen weiteren Vorteil von Lernapps sehe ich in der Kompaktheit des Wissens. Lernapps verzichten auf ausschweifende Erklärungen und beschränken sich auf das wichtigste Wissen. Dieses ist oft kompakt vorbereitet und strukturiert aufeinander aufgebaut. Ähnlich wie ein Schulbuch, nur knapper und in kürzerer Zeit zu erledigen. Dies liegt auch an den Aufgabenformaten: Multiple-Choice, Zuordnung durch Schieben über den Bildschirm, Schreiben einzelner Wörter oder Zahlen, Anklicken in der richtigen Reihenfolge usw.  

Lernen mit direkter Rückmeldung

Sofort nach Erledigung einer Aufgabe erhalten die Kinder eine Rückmeldung. Damit wissen sie direkt, ob die Aufgabe richtig erledigt wurde oder nicht. Zudem gibt es in den meisten Lernapps am Ende einer Einheit noch einen Test, eine Lernzielkontrolle zum Abschluss. Auch hier bekommt man direkt eine Rückmeldung. Ganz gezielt kann man sich dann noch einmal die Übungen vornehmen, bei welchen man Schwierigkeiten hatte.

Die Rückmeldung kommt zudem von einer App und nicht von einer Person. Für manche Kinder ist es so leichter mit „Fehlern“ umzugehen.

Selbstständiges Lernen

Unsere Kinder beschäftigen sich zumeist nach einer kurzen Erklärung allein mit den Lernapps. Durch die direkte Rückmeldung benötigen sie uns in den meisten Fällen nicht. Lernen wird zum Selbstläufer und die Selbstständigkeit beim Lernen wird dadurch gefördert. Meine Tochter bspw. hat den Anspruch bei jeder Aufgabe immer alles perfekt zu machen, um alle Sterne zu erhalten. Also wiederholt sie jedes Thema selbstständig so lange, bis sie – in unserem Fall – alle Sterne erhalten hat. Durch diesen Eigenantrieb behält sie das Gelernte besser und es erleichtert ihr den Wissenserwerb.

Lernmotivation durch spielerisches Lernen

Die meisten Kinder sind unheimlich motiviert, wenn sie mit dem Smartphone oder Tablet lernen dürfen.

Die Lernapps sind so aufgebaut, dass sie motivierend für die Kinder sind und das Lernen spielerisch unterstützen.

In der App, welche wir sowohl in der Schule als auch zu Hause verwenden, können Münzen gesammelt werden. Hat man eine bestimmte Anzahl an Münzen gesammelt, wird damit ein Spiel freigeschalten. Sozusagen eine Belohnung für das Lernen oder auch Entspannung nach dem Lernen.

Nachteile Lernapps

Ablenkung während dem Lernen

Gerade auf dem Smartphone kann es dazu kommen, dass Benachrichtigungen das Lernen deines Kindes unterbrechen. Das fällt mir selbst immer wieder auf. Arbeite ich und habe daneben mein Smartphone liegen, werde ich immer wieder im Arbeitsfluss unterbrochen. Sofern die Lernapp ohne Internetverbindung läuft, würde ich diese für die Zeit der Appnutzung unterbrechen. Gleiches gilt für das Tablet. Auch hier können andere Programm teilweise durch Benachrichtigungen ablenken.

Körperliche Beschwerden durch übermäßigen Medienkonsum

Lernapps|Lernen

Ich glaube das kennen wir alle nur zu gut. Sitzen wir zu lange am PC, Smartphone oder Tablet können Ermüdungserscheinungen der Augen, Kopf- sowie Rücken- oder Nackenschmerzen und/oder Verlust der Konzentration die Folge sein. Die Lösung hier: Beschränke die Lernzeit an den Lernapps für dein Kind und sorge danach für ausreichend Bewegung sowie Erholung der Augen. Etwas anschauen (Serien, Filme etc.) nach einer Lernzeit mit App ist sicherlich kontraproduktiv.

Soziales Lernen findet nicht statt

Als Lehrer*innen wissen wir um die Notwendigkeit von Partner- oder Gruppenarbeit. Hier kann jede*r seine/ihre Kenntnisse sowie Möglichkeiten einbringen und im Austausch mit anderen diese erweitern oder vertiefen. Dies findet mit einer Lernapp in dieser Form nicht statt. Man lernt allein, die Kommunikation mit anderen bleibt aus. Wichtige soziale Lerneffekte wie bspw das Arbeiten in einem Team, werden außer Acht gelassen.

Lernen mit und in der Umwelt findet nicht statt

Das Lernen in und mit der Natur sowie unserer Umwelt ist von großer Bedeutung. Zum einen erwerben wir motorische Fähigkeiten, zum anderen lernen wir aber auch unsere Natur und unsere Umwelt kennen und schätzen. Alles was mit dem Fühlen und Erleben zu tun hat, kann in Lernapps nicht berücksichtigt werden. Beispielsweise wie fühlt sich eine Rinde an, wie riecht eine Tomatenpflanze, wie lernt man schwimmen usw. In Lernapps kann dies nur theoretisch gelernt werden. Das praktische Erleben bleibt aus.

Fazit

Lernapps bringen unheimlich viele Vorteile, sollten aber in Maßen eingesetzt werden. Nur in Kombination mit anderen Lernmethoden sind sie eine Bereicherung für das Lernen. Als alleiniges Wundermittel können sie nicht gesehen werden. Erfolgreiches Lernen setzt immer unterschiedlichen Zugängen zu einem Thema voraus. Als solches gilt:

Lernapps sind eine großartige Bereicherung für das Lernen zu Hause, sollten aber nicht als einzige Lernmethode eingesetzt werden.

Wie immer gilt: Die Mischung machts!

Eine Checkliste für die Verwendung von Lernapps kannst du dir hier herunterladen:

Auf dem Blog von der lieben Julia von Mama schreibt ne Liste, kannst du in diesem Artikel: https://mamaschreibt-neliste.com/spass-am-lernen-mit-sofatutor/ nachlesen, welche Erfahrungen sie als Mama mit der Lernapp Sofatutor gemacht hat.

Für Tipps zum Lesen empfehle ich dir meinen Blogbeitrag 10 Tipps fürs Lesen zu Hause.

Schreibe einen Kommentar